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  • Wenn die Hormone Blasen schlagen

    Wenn die Hormone Blasen schlagen

    Die Hormone schlagen Blasen. Und das seit mehr als sechs Wochen. Seit Monos Tod Anfang des letzten Februars hat sich für Vito und Hubi im Grunde nicht viel geändert. Außer der Tatsache, dass der Chef nicht mehr da ist. Monos Abwesenheit hat allerdings nun Folgen, mit denen ich vielleicht hätte rechnen müssen, es aber nicht getan habe.

    Hudson stand immer hinter Mono. Gut einsortiert und loyal. Mono war der Chef, natürlich auch weil er schon mehrfach gedeckt hatte. Das hieß, dass es Hubi nicht zustand, sich ans Weibsvolk heran zu machen. Und er tat es auch nicht, denn das war allein das Vorrecht des Bosses.

    Neuerdings begattungsberechtigt?

    Jetzt ist Mono nicht mehr da. Nach dem Winter kommt der Frühling und mit dem Frühling kommen auch die Frühlings- und dann wie jetzt die Sommergefühle, sowohl bei den Hündinnen als auch bei den Rüden. Hubi meint nun, in die erste Reihe der Begattungsberechtigten aufgerückt zu sein und benimmt sich entsprechend. Er ist nach wie vor der von Grund auf liebe Hubi, der er immer war. Aber jetzt, nach sechs Jahren unter Mono Fuchtel, sieht er seine Chancen bei der holden Weiblichkeit in greifbarer Nähe. Wie bei Alaska, der Pyrenäenberghündin einer Bekannten. Sie ist etwa so groß wie ein Pony und dabei sehr sanft und freundlich. Doch unterschätzen sollte man sie niemals, denn „ihre“ kleine Brauerei bewacht sie mit Zähnen und Klauen.

    Hormone schlagen Blasen - Hubi aka Hudson mein nun, er sei der Bezirksbegatter. Diesen Zahn habe nicht nur ich ihm gezogen.
    Hubi aka Hudson, nun sechseinhalb Jahre alt, meint neuerdings, er sei der Bezirksbegatter. Diesen Zahn habe nicht nur ich ihm gezogen.

    Bei Alaska konnte Hubi nicht landen, ebenso wenig wie bei der Mudi Hündin, die seine Avancen sehr lässig mit einer blanken Zahnreihe konterte. Vito lernte indes durch Beobachtung. Die pechschwarze Madame strich er sodann von seiner Liste. „Ne, die muss ich nicht kennenlernen!“ Schlauer Junge.

    Hormone im Ausnahmezustand

    Vor etwa sechs Wochen ist Hudson schlagartig von sehr gechillt zu sehr unruhig mutiert. Kaum kommt hier morgens Bewegung in die Bude, steht er mir oder Tom auf den Hacken. Der Whippet, der zuvor ein Extremlangschläfer war, steht neuerdings ab 5:30 Uhr in den Startlöchern. Ich schicke ihn immer zurück in sein Bett, damit er nicht uns und vor allem nicht sich selbst verrückt macht.

    Seit dieser Wandlung frisst Hubi schlecht. Eigentlich ist das ein Zeichen dafür, dass er sterbenskrank sein müsste. Denn sein Leben lang hat er bisher alles inhaliert, was nicht bei drei auf dem Baum war. Aber er ist nicht krank. Er hat nur seinen Fokus verlagert. Grab them by …. und so weiter. Davon träumt er. Aber Hubi mit diesem Ekelpaket zu vergleichen, wäre gemein. Denn Hubi ist ein anständiger Rüde.

    Dieser verschobene Focus sorgt für einen sehr schlanken Hubi. Er war immer ein bisschen kräftig, trotz der vielen Bewegung, doch jetzt ist er richtig schlank. Von mir aus kann er so bleiben, aber mehr abnehmen darf er nicht. Sonst hätten wir nämlich bald eine sehr eckige Gräte.

    Wenn die Hormone Blasen schlagen.
    Vito ist an den Damen interessiert, aber niemals aufdringlich.

    Der Fortpflanzungstrieb ist stärker

    Nicht nur ein Mal habe ich Hubi mit radikaler Kastration gedroht. Insbesondere dann, wenn er sich wieder an einem Grashalm festgeschnüffelt hatte. Dann schäumt er, als hätte ihn die Tollwut geholt und ist kaum noch ansprechbar. Aber das kennen wir Rüdenhalter ja nur zu gut. Hatte er eine läufige Hündin in seiner Nähe, hätte ich Mono ein Rudel Rehe, eine Kaskade Kaninchen und fünf Katzen vor die Pfoten werfen können, er hätte sie ignoriert. Als er das erste Mal decken sollte, liefen Hühner und auch Katzen durch den Garten der Züchterin, doch der große Jäger Mono stand nur sabbernd vor der Küchentür. Hunger und Jagdtrieb sind vergessen. Der Fortpflanzungstrieb ist der stärkste von allen.

    Was nun? Eine Kastration kommt nicht in Frage. Dafür ist Hubi mit seinen fast acht Jahren schon zu gefestigt. Der wunderbare Duft der Damen wird ihm für immer in seiner Nase hängen bleiben. Mono hat das eindrücklich bewiesen. Gegen die Hormone helfen nur die drei großen As: Ablenken, Auslasten, Abwarten. Anders geht es wohl nicht. Und, ich warte auf die nächste, im Kopf gut sortierte Hündin, die Hubi eine kräftige Schelle verpasst. Anyone?

  • Die Deutsche ist ein Blockwart

    Die Deutsche ist ein Blockwart

    Die Deutsche ist ein Blockwart und sie liebt es. Diesen Eindruck muss zumindest eine Außenstehende bekommen, die von ihr auf übelste Weise angepöbelt wird.

    Ich ging mit Hubi und Vito eine sehr gemütliche Nachmittagsrunde. Unser Park ist sehr groß und sehr gepflegt. Neue Schilder machen seinen Besuchern deutlich, was sie nicht dürfen und was sie müssen. Also, Angeln ist verboten, Grillen und vieles mehr. Man muss seinen Hund anleinen, Kot aufheben und seinen Müll in den wie Streublümchen verteilten Tonnen entsorgen. Selbstverständlichkeiten eben, die die Stadt aber meint, den Naherholungswilligen in witzigen Piktogrammen noch einmal transparent machen zu müssen. Dafür gibt es dann auf gefühlt einem Kilometer keinen einzigen Mülleimer. So setzt man Prioritäten.

    Zwölf Kacketüten für den letzten Fitzel

    Ich habe immer mindestens zwölf Kacketüten in der Tasche. Und ich hebe höchst pingelig auch den letzten Fitzel auf, den meine Hunde in diesem Park hinterlassen. Schließlich kenne ich mittlerweile jeden dort arbeitenden Gärtner persönlich. Und außerdem ist Aufsammeln die Pflicht jedes Hundehalters. Die sozial Unverträglichen, die jetzt brüllen:“Ich zahle doch Steuern!“, denen sei noch einmal ins Hirn gebrannt:“Scheiß egal! Du bist für die Kacke deines Hundes verantwortlich. Basta!“

    Und er sei zudem auf der Hut. Denn neben den Jungs und Mädels vom Ordnungsamt gibt es pflichtbewusste Bürger, die meinen, dass erstere faul und nachlässig durch den Tag trödeln. Deshalb haben sie sich die Selbstjustiz auf ihre von Bügelstärke steif im Wind stehenden Fahne geschrieben. In Fraktur natürlich. So unangenehm, so war. Das mussten wir, also Hubi, Vito und ich an unseren Leibern erfahren. Beziehungsweise an den Ohren, denn die Bügelstärkenselbstjustiz kann offenbar nur kreischend laut.

    Sie ist ein Blockwart und er ist auch schlecht angezogen

    Es war ein schöner Tag in unserem Park. Wir trödelten vor uns hin. Die Jungs schnüffelten sich mal wieder an einem Grashalm fest. Ein ältliches Ehepaar kam um eine Biegung und blieb auf unserer Höhe ruckartig stehen. Die Dame holte Luft und brüllte mich an:“Sie! Ja sie, haben den Haufen ihres Hundes auf der Wiese liegen gelassen!“ Sie zeigt auf Vito. Ich tue so, als verstünde ich kein Deutsch. Das war mein erster Gedanke. Mein zweiter sagte mir, ich solle ihr die Enden der zwei Leinen um die Ohren hauen. Doch so etwas tue ich natürlich nicht. Ich bin Pazifistin und viel zu gut erzogen. Mein dritter: „Führe sie vor!“ Und das tat ich. „Sagen sie mir bitte wo. Zeigen sie mir die Stelle!“ Der Mann:“Ich bin nicht so gut zu Fuß.“ Ich:“Das ist ihr Problem.“ Die Dame pumpte sich auf:“Ich habe es genau gesehen.“ Ich bot ihr erneut an, mir die Stelle zu zeigen und machte kehrt. Mit der Bügelstärke im Schlepptau.

    Die Deutsche ist ein Blockwart
    Vito und Hubi sind irritiert.

    Auf dem Weg zu der ominösen Wiese wurde die Frau nicht müde, mich zu beschimpfen. „Wir denken an die Kinder, die dort spielen!“ Immer laut und immer kreischend. „Oha. Wenn sie an die Kinder denken, dann erklären sie den Liebeleinchen doch zunächst einmal, dass sie nicht in die Büsche zu kacken haben. Und wenn sie so sehr an die armen Kinder denken, dann gehen sie doch los und sammeln die vielen Lachgaskartuschen und Luftballons ein, die die vollgedröhnten Kiddies hier im Park verteilen.“ „Das ist nicht meine Aufgabe!“ „Nun ja, sie scheinen am Tag nicht viel zu tun zu haben. Vielleicht verschafft ihnen das eine gewisse Befriedigung.“ Hysterisch war diese Dame ja schon, aber in diesem Moment dachte, sie platzt. Vito komm! Ich musste mich zur Seite drehen, um nicht unter einem Lachkrampf auf den Weg zu kippen.

    Frolic-Rot in die Haare geschmiert

    Endlich landeten wir an der Stelle, wo die Dame Blockwart mich inflagranti erwischt haben wollte. „Da!“, brüllte sie. „Da ist der Haufen!“ Dort lag tatsächlich ein Haufen. Frolic-Rot und schleimig, als hätte das arme Tier, das sich dort entleert hatte, sein Leben lang Giardien mit sich herumgeschleppt. Ich musste wieder grinsen:“Wissen sie, meine Hunde bekommen sehr hochwertiges Futter und sind kerngesund.“ Ich hielt ihr eine meiner Kacketüten hin. „Sammeln sie das ein und wir machen einen DNA-Test. Ich habe die DNA meiner Hunde vorliegen. Sie tun ein gutes Werk und, wer weiß, vielleicht behalten sie ja sogar Recht.“

    Der nächste Brüllanfall folgte innerhalb einer Millisekunde. „Was wollen sie denn mit ihrem scheiß DNA-Test? Ich fasse das nicht an!“ „Überwinden sie sich. Es ist schließlich für die Kinder!“ Ich grinste und drehte ab. Der Rest unserer Runde verlief sehr entspannt. Wir trafen noch unseren Lieblingslabrador Loki nebst Besitzer. Ich erzählte ihm von unserer Begegnung. „Ich hätte der Tante angedroht, ihr die Kacke in die Haare zu schmieren.“ Nein, das tut man nicht. Aber darüber nachdenken darf man.

  • Monos Librela Tagebuch

    Monos Librela Tagebuch

    Mono ist seit fast zwei Monaten tot und ich habe es endlich über mich gebracht, mein/sein Librela Tagebuch zu überarbeiten. Wir haben keinen Kontakt zum Hersteller und selbstverständlich jede Behandlung bezahlt. Nur um das voraus zu schicken. Das Tagebuch streckt sich über rund drei Monate.

    Mono bekommt nun Librela. In den nächsten Wochen werde ich versuchen, seine Entwicklung unter diesem Medikament so gut wie möglich zu dokumentieren. Er ist an diesem Tag 13 Jahre und knapp sechs Monate alt. Er dreht die Ellbogen aus, dreht in der Folge die Vorderpfoten ein und humpelt oft vorne rechts. Morgens nach dem Aufstehen rutsch ihm diese und oft auch die linke Pfote weg. Er hat Gleichgewichtsprobleme. Unser Tierarzt stellte zudem schmerzhafte Reaktionen im hinteren Rückenbereich fest.

    Mono war immer sportlich und körperlich sehr stabil

    Mono war immer ein sehr sportlicher und gut bemuskelter Whippet. Er hatte sein Leben lang viel Bewegung und nicht ein einziges Mal ein strukturelle Verletzung. Er hatte weder Brüche, noch Bänderrisse, noch abgerissene Daumenkrallen, obwohl er wie ein Irrer durch jedes Unterholz gesprintet ist. In seinem bisherigen Leben ist er genau zwei Mal gestürzt: Ein Mal beim Coursing. Er ist in einer engen Kehre auf der nassen Wiese ausgerutscht. Das zweite Mal im fortgeschrittenen Alter auf unserer Halde, als er in ein Loch trat. Beide Stürze blieben ohne Folgen. Mono war also körperlich immer stabil.

    Test: Die Canon EOS 1D X Mark III - Teil 1 Mono heißt nicht ohne Grund schon immer "Flying Mono"
    Für immer schwerelos – Mono heißt nicht ohne Grund schon immer „Flying Mono“

    Selbstverständlich zahlen wir jede seiner Librela Behandlungen aus der eigenen Tasche. Ich werde weder gesponsort, noch habe ich Kontakt zum Hersteller von Librela. So objektiv wie es eben geht werde ich mich hier auf die relevanten Tage konzentrieren. Wenn sich nichts ändert, gibt es schließlich nichts zu berichten.

    Tag 1 – Mono bekommt die erste Dosis 10 Milliliter Librela bei 16,5 Kilo um 18:00 Uhr. Unser Tierarzt berechnet dafür 95,- Euro. Er wünscht sich eine Rücksprache in spätestens zwei Wochen. Sollten wir nur mit Phantasie eine Besserung sehen können, dann sollten wir ehrlich sein. Er hätte schließlich auch Patienten, bei denen absolut keine Wirkung eintritt. In der Regel aber wirkt dieses Depotmedikament zur Linderung von Arthroseschmerzen ab der zweiten Gabe wohl sehr gut, hilft also alten Hunden, sich relativ schmerzfrei zu bewegen.

    Tag 2 – Freunde und Bekannte berichten von der guten Wirkung von Librela bei alten Hunden, die unter Arthrose leiden. Sie sind keine Spinner, sondern ernst zu nehmenden Menschen, die teils vom Fach sind und sehr realistisch auf ihre – in diesem Fall – alten (13 und 14 Jahre) Whippets schauen. Wer weiß, vielleicht sind Whippets besonders empfänglich dafür. Langzeitstudien gibt es ja noch nicht. Hier gibt es zudem noch einen 14 Jahre alten Airdale-Terrier, der nach Librela morgens plötzlich wieder ohne Probleme aufstehen kann. Aber es gibt natürlich Stimmen, die ernstzunehmende Bedenken haben.

    So schnell tritt noch keine Wirkung ein

    Natürlich zeigt die Injektion heute noch keine Wirkung auf Monos Bewegungsfähigkeit. Wie jeden Morgen gegen 6:00 Uhr kommt er in mein Arbeitszimmer, legt sich hin, lässt sich zudecken und rührt sich bis 10:00 Uhr gar nicht mehr. In dieser Zeit sind Hubi und Vito draußen, fressen und betten sich dann wieder zur Ruhe. Der Termin für die Physiotherapie steht für die nächste Woche fest. Die Dame kommt zum Glück ins Haus.

    Tag 3 – Wie gestern kommt Mono um 6:00 Uhr zu mir. Allerdings bleibt er bis kurz vor 14:00 Uhr liegen ohne einen Mucks zu sagen. Natürlich lasse ich ihn nicht allein und horche hin und wieder, ob es ihm gut geht. Noch nicht einmal pinkeln muss er. Ich mache mir Sorgen und gebe ihm eine Dosis Meloxidyl für den Fall, dass er Schmerzen haben könnte. Nur für das Protokoll: Gestern Nacht hatte er schweres Rückwärtsniesen. Das hat aber eher mit der feucht kalten Herbstluft zu tun. Die Librela-Injektion war sicher kein Auslöser.

    Tag 4 – Heute morgen ist Mono deutlich munterer. Allerdings hat er zunächst große Schwierigkeiten, sich auf den Beinen zu halten. Sein rechter Hinterlauf rutscht ihm weg und er taumelt mehr, als dass er stand oder lief. Nach einigen Minuten fängt er sich und läuft einigermaßen rund.

    Kastrationschip? Nie wieder!
    So sah Mono aus bevor ihm 2022 der Kastrationschip gesetzt wurde. Drahtig und fit.

    Tag 6 – Hubi ist mit Tom unterwegs. In einem Regenloch schnappe ich mir Vito und Mono für eine kleine Runde. Ein Leinengang mit den beiden ist mittlerweile eine echte Herausforderung, denn Vito sprüht vor Energie. Gleichzeitig läuft Mono hinter mir her wie ein Sack Muscheln. Als es heftig anfängt zu regnen, drehe ich um. Zur Erleichterung aller. Zu Hause angekommen, spielt Mono plötzlich Vito an und beide flitzen wie die Irren durchs Haus. Das liegt ganz sicher auch daran, dass Hubi, Vitos bester Spielkumpel, nicht da ist. Dennoch staune ich nicht schlecht. Nach dieser kurzen Flitzattacke vergräbt sich Mono wieder unter seiner Decke. Vito bekommt am Nachmittag einen Extraausflug.

    Mono will nicht laufen

    Tag 7 – Mono will nicht laufen. Sein rechter Vorderlauf schleift. Er hat Probleme, sein Gleichgewicht zu halten. Offenbar hat er Schmerzen. Er züngelt, während ich mit ihm eine kleine Runde gehe. Ich gebe ihm Schmerzmittel. Sein Futter stelle ich mittlerweile auf eine Kiste, damit er sich nicht zu sehr bücken muss.

    Tag 8 – Die Physiotherapeutin ist da und knetet Mono sanft aber bestimmt durch. An zwei Stellen tut es ihm sichtlich weh, aber er ist ja ein „harter Hund“. Die Blockaden im hinteren und mittleren Rücken müssen peu á peu ausgestreichelt werden. Auch die Laserakupunktur lässt er sich entspannt gefallen. Dann fällt sichtlich müde in sein Cosybed.

    Mono mag nicht laufen. Ich gehe mittlerweile meistens mit ihm allein. Er kann dem Jungvolk nicht mehr folgen.

    Tag 9 – Früh am Morgen schnappe ich mir Mono zu seiner Rentnerrunde. Pulli an und los. Ich trage ihn die wenigen kleinen Stufen hinunter, denn er kann kaum aufrecht stehen, geschweige denn geradeaus laufen. Seine rechte Vorderpfote schleift, er taumelt und hält den Kopf schief. So schlimm war es noch nie. Wir schaffen es gerade mal bis auf die Ecke zur kleinen Wiese. Mono macht sein Geschäft und taumelt sofort wieder zur Haustür zurück. Ich trage ihn die Stufen wieder hinauf. Den Tag verbringt er dösend. „Er hat wohl nur Muskelkater.“, denke ich. Nach einer Gabe Meloxidyl bessert sich sein Gangbild deutlich. Er schleift immer noch mit der rechten Vorderpfote, aber immerhin taumelt er nicht mehr. Und er frisst nach wie vor gut. Wir werden die Physiotherapie nicht wiederholen. Und für alle die sich jetzt die Frage stellen: Nein, es ist kein Vestibularsyndrom.

    Tag 10 – Heute geht es Mono gut. Er taumelt zwar immer noch, auch sein rechter Vorderlauf rutscht noch, aber nicht mehr so schlimm wie gestern. Die Morgenrunde fällt für ihn aus. Dennoch hege ich die Hoffnung, dass Librela langsam anschlägt.

    Beschwingt und freudig mit blöden Folgen

    Tag 11 – Mono ist ganz beschwingt, macht freudig einen großen Spaziergang mit und spielt auf dem Rückweg wieder Vito an. Doch dann verlässt ihn plötzlich sein rechter Vorderlauf. Kurz vor unserer Haustür schlägt er schwer auf den Asphalt. Diese Sperenzchen lassen wir in Zukunft besser sein.

    Mono hat schon länger ein paar Lipome, die ihn nicht weiter behindern. Am Abend entdecke ich einen neuen, etwa walnussgroßen Knubbel an seiner Brust kurz über dem Sternum, an der Sehne die von Brust zu Hals verläuft.

    Tag 14 – Das Gespräch mit dem Tierarzt bringt keine weiteren Erkenntnisse. Nach der nächsten Gabe in zwei Wochen sollte Mono sich deutlich bessern, so die Erwartung. Das Schmerzmittel können wir dann hoffentlich bald weglassen. Bis dahin bekommt Mono weiterhin Meloxidyl, das er übrigens sehr gut verträgt.

    Tag 17 – Mono geht es schlecht. Er ist extrem unsicher auf der Hinterhand. Ihm fällt es schwer, sein Gleichgewicht zu halten, besonders, wenn er lange gelegen hat. Seine rechte Vorderpfote rutscht ihm nach wie vor weg. In den letzten Tagen ist er mehrfach gestürzt. Nicht heftig, aber so, dass ich mir Sorgen mache. Obwohl er sich oft sperrt, muss ich ihn bewegen, damit seine Muskeln nicht noch mehr abbauen. Wir machen uns Gedanken über seine Lebensqualität.

    Happy Birthday Hudson!
    Hubi pflegt Mono

    Tag 18 – Es ist vier Uhr morgens. Ich werde wach, weil Mono sehr unruhig hin und her läuft. Ich pelle mich also aus dem Bett, um ihn in den Garten zu lassen. Doch ich bin zu spät. Kurz zuvor hat er in der Küche komplett unter sich gemacht. Ich fange an zu putzen während er mich verzweifelt beobachtet. Einem Mono passiert so etwas nicht! In so einer Situation käme ich niemals auf die Idee, mit ihm zu schimpfen, denn ihm ist es viel unangenehmer als mir.

    Ich nehme Mono mit in unser Schlafzimmer, lege mich wieder hin und als ich gerade die Augen wieder zu gemacht habe, höre ich Vito würgen. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Monos Librela Tagebuch – Teil 2

    Tag 19 – Es ist kalt. Ich packe drei Hunde in ihre Mäntel und strebe in Richtung Naherholungsgebiet. Mono läuft sehr willig mit. Das mag daran liegen, dass er am Tag zuvor nur ein paar Minuten außerhalb seines Zuhauses war, denn starker Regen hatte uns den gesamten Tag ordentlich vermiest. Ich treffe die beiden Damen mit dem oben erwähnten 14 Jahre alten Airdale Terrier, der – mittlerweile sehr altersmilde – freudig auf meine Whippets reagiert. Dieser Hund hat bereits 19 Librela-Injektionen bekommen und lebt sehr gut damit. Diese beiden Frauen, beide Medizinerinnen, haben in meinen Augen also so etwas wie eine Expertise. Wir sprechen eine Weile und ich erzähle, wie schlecht es Mono aktuell geht. „Abwarten!“, sagen sie.

    Mono geht es beschissen, trotz Librela

    Tag 20 – Mono geht es heute morgen beschissen. Er kann nur mit Mühe laufen, irgendwie seitwärts. Er kann beim Pinkeln kein Bein mehr heben. Ich gehe mit den jungen Hunden eine Runde durch den Schneematsch und fühle mich mies, Mono allein lassen zu müssen. Aber was soll ich tun? Ohne einen Garten wären wir wohl aufgeschmissen. Dort geht er immerhin hin, egal welches Wetter wütet. Er frisst nur ein paar Kekse und verbringt dann den Tag im Dämmerzustand.

    Der Lockdown - Dieses Mal light und mit Arschloch-Hund
    Mono

    Tag 21 – Es ist noch kälter. Es hat sogar ein paar Flocken geschneit. Aber wirklich nur ein paar und die sind dann auch sofort wieder weg. Mono geht die Rudelrunde mit durch den Park. Er schlägt sich wacker, aber es fällt ihm schwer. Als er versteht, dass wir auf dem Rückweg sind, gibt er Gas. „Schnell nach Hause!“ Angekommen wirft er sich auf den alten Flokati, den ich vor unser Bett gelegt habe, damit er auf dem Parkett nicht ausrutscht und steht nicht mehr auf. Ich muss ihm seinen dicken Mantel mühsam vom Körper schälen. Vielleicht kann er wirklich nicht mehr. Ich schaue ihn an. Mein schöner Mono, ich passe auf dich auf.

    Tag 22 – Wir haben beschlossen, den Tierarzttermin in vier Tagen abzuwarten, um dann zu entscheiden, ob Mono auch weiterhin Librela bekommt. Natürlich können wir nach einer Injektion noch keine Wunder erwarten.

    Die zweite Injektion

    Tag 25 – Heute Abend haben wir einen Termin für Monos zweite Librela-Injektion. Ich gebe zu, ich bin mir nicht sicher, ob wir weiter machen sollen. Heute morgen kann Mono kaum stehen, hat offenbar Schmerzen im rechten Vorderlauf. Seine Hinterläufe sind extrem instabil. Ich will nicht, dass er wieder stürzt und sich vielleicht etwas bricht. Das wäre katastrophal.

    Unser Doc, ein sehr bodenständiger und direkter Mann, hat mich kurz auf den sprichwörtlichen Pott gesetzt. Ich zeigte ihm den oben erwähnten neuen Knubbel an Monos Brust. Er sagte:“Die Knubbel sind jetzt wirklich scheiß egal!“ Nachdem ich Mono ein paar mal durch das Behandlungszimmer geführt habe, sagte er, dass er massive motorische Störungen hat. Ja, das ist offensichtlich. „Er könnte durchaus ein neurologisches Problem haben. Wir werden jetzt keine Tests mehr machen. Wir werden gar nichts tun, außer ihm seine letzten Monate, Wochen oder Tage schön zu machen!“ Genau. Spritze rein und fertig.

    Mono (oranger Pulli) im Alter von 13 1/2 Jahren nach der zweiten Librela-Injektion. Er läuft toll. Vito hasst Pullis und wuselt deshalb ungelenk um ihn herum. Bitte bis zum Ende gucken.

    Ich bin mir fast sicher, dass dieser Mann mich falsch verstanden hat. Oder ich mich vielleicht falsch ausgedrückt habe. Alte Hunde sind wunderbare Begleiter. Insbesondere Mono, auf den ich mich heute zu hundert Prozent verlassen kann. Er folgt mir, er jagt nicht mehr, er achtet nur auf mich. Damals, als er noch jung war, musste ich immer auf der Hut sein. Das ist heute vorbei.

    Tag 26 – Im Überschwang denkt Mono, er könne allein die kleine Treppe zu unserer Haustür hinauf laufen. Doch seine Hinterläufe verlassen ihn auf der zweiten Stufe und er fällt auf den Rücken wie ein Käfer. Zum Glück hat er seinen dicken Mantel an und zum Glück schaffe ich es, ihn irgendwie aufzufangen, so dass er sich nicht ernsthaft weh tut.

    Es gibt gute Tage

    Tag 27 – Heute ist ein guter Tag. Mono steht viel stabiler auf seinen Beinen. Er ist die Morgenrunde zwar langsam aber willig mitgegangen und – das ist neu – er frisst wie ein Scheunendrescher alles, was ihm zwischen die Zähne kommt. Sogar sein Trockenfutter und, wenn ich nicht aufpasse, dann Vitos noch dazu. Das erzählten mir übrigens auch die beiden Frauen mit dem Airdale. Dieses Medikament regt offenbar den Appetit an.

    Tag 30 – Wir sind alle sprichwörtlich geplättet. Mono geht es nach der zweiten Injektion vor fünf Tagen viel besser. Es ist unglaublich. Er kann sich sogar wieder schütteln, ohne komplett aus dem Gleichgewicht zu geraten. Das habe ich gerade auch unserem Doc mitgeteilt, da er unbedingt regelmäßige Rückmeldungen haben möchte. Das Schmerzmittel lassen wir natürlich jetzt weg, da Mono es offenbar nicht mehr benötigt.

    Tag 32 – Heute morgen wollte Mono die Stufen alleine gehen. Rauf natürlich, denn runter schafft er es definitiv nicht. Und, er hat es tatsächlich hingekriegt.

    Tag 35 – Heute starten wir schlecht. Mono rutsch wieder, kann sich kaum auf den Vorderläufen halten. Ist ein einmal in Bewegung, dann geht es besser, aber richtig gut bewegt er sich nicht.

    Monos Librela Tagebuch – Teil 3

    Monos Librela Tagebuch Teil 3

    Dies ist der letzte Teil von Monos Librela Tagebuch. Wir mussten mit ansehen, wie es ihm stetig schlechter ging und eine Entscheidung fällen.

    Tag 38 – Genau 13 Tage ist Monos zweite Injektion jetzt her und ihre Wirkung -so scheint es mir – stagniert. Ihm geht es nicht sonderlich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Er ist nach wie vor instabil, ist gestern wieder gestürzt, als Hubi unvorsichtig war. Witzig ist, dass er sich nach wie vor traut, auf unser Bett zu springen. Das ist recht hoch und mittlerweile eine Hürde für ihn. Dieser Sprung kostet ihn Überwindung, aber oft schafft er ihn. Wenn wir unterwegs sind, mache ich die Schlafzimmertür zu, damit es nicht zu Stürzen kommt.

    Tag 39 – Mono kommt nicht wie gewohnt um 6:00 Uhr in mein Arbeitszimmer. Während Vito und Hubi aktiv werden, bleibt er regungslos im Schlafzimmer liegen und schläft weiter. Ich weiß, dass er nicht mehr so gut hört, aber das ist ungewöhnlich. Eine Stunde später schlurft er sehr wackelig zu mir und legt sich sofort wieder hin.

    Ein Schatten seiner selbst

    Tag 45 – Die Wirkung der zweiten Injektion lässt offenbar schon ein bisschen nach. Mono rutscht wieder aus und hat keine Lust zu laufen. Das mag durchaus an der Kälte liegen, aber wir müssen wohl jetzt nachlegen. Heute morgen schneit es ein wenig. Mono kommt aus dem Garten in die Küche. Während er sich schüttelt schreit er plötzlich wie am Spieß. „Der Nacken!“, denke ich. Diesen Schmerz hatte er seit der ersten Librela-Injektion nicht mehr. Und nein, es ist keine Spondylose.

    Tag 55 – Heute geht es zum Doc. Endlich! Denn seit ein paar Tagen humpelt Mono wieder auf der rechten Vorderhand. Sie ist offenbar seine „böse Stelle“, ebenso wie sein Nacken. Die Hinterhand ist auch weit weg von stabil, also hoffen wir, dass die dritte Injektion ihm weiter helfen wird.

    Den Rücken entlasten - Mono schläft wie ein Welpe
    Den Rücken entlasten – Mono schläft wie ein Welpe. Er ist 13 Jahre und 7 Monate alt.

    Mono hat abgenommen. Von 16,5 auf 16 Kilo. Das ist kein Wunder, denn Muskeln sind schwerer als Fett. So wenig, wie er sich im Durchschnitt bewegt, desto mehr baut er Muskeln ab. Ich versuch das zu verhindern, indem ich immer wieder mit ihm kurze Gänge einlege, aber das reicht natürlich nicht. Geduldig lässt er die Spritze über sich ergehen. Insgesamt ist der Tierarzt sehr zufrieden. Das ist eine Erleichterung. Und weil ich schon da war, habe ich in einem Abwasch Hubis und Vitos Impfung gegen Staupe etc., also die 4fach Impfung aufgefrischt. Das war ohnehin nötig. Der Doc war übrigens von Hubi über alle Maßen begeistert.

    Es wird nicht besser trotz Librela

    Tag 56 – Langsam aber sicher wird ein Schuh draus: Wie auch die letzten beiden Male, hat sich Mono heute – Tag 1 nach der dritten Spritze – komplett zurückgezogen. Er war heute morgen um 5:30 Uhr kurz draußen zum Pinkeln und seitdem, jetzt ist es genau 11:30 Uhr, rührt er sich nicht mehr. Kein Keks, kein Futter. Er liegt zugedeckt in meinem Arbeitszimmer und schläft. Erst mittags wird er aktiv, humpelt aber nach wie vor heftig. Wir wissen ja nun, dass Librela ein paar Tage braucht. Rückblickend auf die letzten Tage, müssen wir vielleicht schneller reagieren, also exakt alle vier Wochen spritzen.

    Tag 58 – Es wird nicht besser. Mono humpelt zwar vorne nicht mehr so stark, aber seine Hinterhand ist noch schwächer als vor ein paar Tagen. Während unserer kleinen, wirklich kleinen, Schneewanderung heute morgen ist er zwei mal gefallen. Einfach so, ohne Fremdeinwirkung.

    Tag 60 – Schütteln ist wieder ein Problem. Tut er es, weil er nass geworden ist, jankt er. Deshalb vermeidet er es, wenn möglich. Nein, da sitzt kein Wirbel quer. Das ist alles gecheckt. Zudem hat er schlimme Gleichgewichtsprobleme. Trotz Librela. Seine Hinterhand wird immer schwächer. Ein kurzes Telefonat mit dem Doc ist eindeutig. Wir geben jetzt zusätzlich weitere Schmerzmittel. Wie lange? Das ist unklar.

    Ich bin da. Mono fragt nicht: Bist du da? Er sagt: Ich bin da! Er ist einfach großartig.
    Mono fragt nicht: Bist du da? Er sagt: Ich bin da! Dieses Foto ist fünf Jahre alt.

    Tag 64 – Ich weiß nicht mehr weiter. Mono ist heute morgen wieder in der Küche ausgerutscht. Er taumelt und stolpert. Gestern hat er die kleine Parkrunde ganz gut mitgemacht, aber – wie seit einigen Monaten – zieht er sein Tempo an, wenn es wieder nach Hause geht. Dann wirft er sich hin und meldet sich für die nächsten Stunden ab, als hätte er einen großen Kraftakt hinter sich. Dennoch versucht er, sein Gesicht zu wahren. Das ist in einem Rudel wohl so. Der Chef bleibt der Chef. Mich freut sehr, dass weder Hubi noch Vito seine offensichtliche Schwäche ausnutzen. Sie respektieren ihn und kümmern sich, sei es mit Putzen oder Kuscheln. Das ist sehr schön zu sehen.

    Tag 70 – Heute ist der 2.Februar 2024. Mono kann nicht mehr. (Als der Tierarzt ihn einschläfern musste, stellte er fest, dass sämtliche Gefäße in Monos Hinterläufen kollabiert waren.)

    edit: Es ist mir sehr schwer gefallen, dieses Librela Tagebuch zu überarbeiten und eine endgültige Version zu finden. Es schwingt so viel mit. So viele Erinnerungen, so viel Sorge. Ich kann nur immer wieder an meine Leser appellieren: Seit gut zu euren alten Hunden, helft ihnen, seht ein, dass alte Hunde keine jungen mehr sind. Lasst ihnen ihre Ruhe. Aber klammert nicht. Es ist sehr schwer die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Doch schaut genau hin und lasst euere Tiere in Würde gehen.

  • Mono has left the building

    Mono has left the building

    „Er war wie der Ozean. Tiefgründig, wogend und manchmal wild“. (Zitat aus einem Film, an den ich mich nicht mehr erinnere.) Eigentlich habe ich keine Worte. Doch vielleicht ein paar, die Verlust und Traurigkeit ansatzweise verständlich machen können. Mein Mono ist nicht mehr.

    Ein echter Whippet – zwei Seelen in einer Brust

    Mono auf dem Sofa
    Mono auf dem Sofa. Seine Eleganz ist unübertroffen.

    Viele Whippets bzw. normale Hunde, die ich von klein auf kannte, sind in den letzten Monaten gestorben. Teils hoch betagt. Für jede Familie, die nach 12 oder sogar 15 Jahren einen Hund verliert, ist das furchtbar. Es geht ein Freund und mit ihm alle Marotten, all der Spaß, die aufmerksamen Blicke und der warme Körper, der sich abends an die Beine schmiegt.

    Jeder der mich kennt, weiß, dass ich nicht irgendeinen Hund verloren habe. Ich habe Mono verloren. Unersetzbar, unvorstellbar eng mit mir verbunden. Dreizehn Jahre und sieben Monate war er Teil meiner Familie. 24 Stunden nach seiner Geburt wusste ich, dass er zu mir gehört. Und habe diese Wahl niemals bereut. Entspannt, souverän, der Sozialarbeiter in jeden Rudel, niemals aggressiv, immer vermittelnd. Allein die große Gemeinde der Plattnasen hat es hin und wieder geschafft, seine Geduld auf die Probe zu stellen.

    Er war wie der Ozean. Tiefgründig, wogend und manchmal wild.

    Irgendein Film, ich weiß nicht mehr welcher.
    Der Boss – Mono war immer der unangefochtene Rudelchef. Conte del Aqua semper-crescendo – geboren am 27.06.2010, gestorben am 02.02.2024

    Französische Hasen und was dazu gehört

    Ebenso hinreißend entspannt wie Mono im täglichen Umgang war, so ambitioniert war er bei der Jagd. Er war ein echter Whippet. Die Kerben in seinem Messer kann ich gar nicht zählen. Kaninchen, Hasen, Mäuse, Katzen, Eichhörnchen, Ratten, Eidechsen, Tauben, Igel und anderes Getier – keine Beute war vor ihm sicher. Und er meinte es jedes Mal ernst. So halb gab es bei ihm nicht. Manchmal musste ich mir Sorgen machen, wenn er mal wieder unterwegs war. Aber er kam immer zuverlässig, höchstens mit ein paar Dornen im Pelz zurück.

    Mono "The Body"
    Wir nannten ihn immer „The body“. Seine Körperbeherrschung war atemberaubend.

    Niemals in meinem Leben werde ich vergessen, wie Mr.Clark und Mono (damals im zarten Alter von etwa 14 Monaten) auf einem früh am Morgen noch nebeligen französischen Feld einen kapitalen Hasen in die Zange genommen hatten. Mr.Clark war nie besonders schnell, aber Mono jagte mir Gänsehaut über den ganzen Körper. Ich konnte nicht fassen, mit welchem atemberaubenden Tempo er seiner Beute auf einem grob gepflügten Acker nachging. Rufen hätte damals gar nichts genutzt.

    Natürlich durften meine Hunde das nicht. Wären wir erwischt worden, hätte mich der Bauer auf links gezogen. Schließlich lagen die Felder direkt vor unserem Haus. Hat er aber nicht. Und der Hase konnte unversehrt in ein Sonnenblumenfeld entkommen. In Erinnerung an die wilde Hatz lacht sich das Langohr vermutlich noch heute in den Schlaf.

    Mono beim Show-Coursing in Rahmen des Sighthound Festivals Donaueschingen 2015
    Mono beim Show-Coursing in Rahmen des Sighthound Festivals Donaueschingen 2015, Foto: Tom Schwede

    So wie auf diesem Acker lief Mono auch beim Coursing. Immer volle Pulle. Doch ich habe ihn niemals zu Wettbewerben gemeldet, weil ich beim Fotografieren „am Hasen“ zu viele unschöne Szenen gesehen habe. Ich wollte meinen sanften Mono nicht von irgendeinem Raufbold kaputt beißen lassen. Ihm war es sowieso egal, ob er ein Training oder ein internationales Coursing zu laufen hatte. Dafür durfte er einigen anderen Whippets als zuverlässiger und friedlicher Begleithund zu ihren Lizenzen verhelfen.

    Achtung Kontrolle!

    Monos Hingabe zu mir war, das gebe ich zu, für mein Umfeld manchmal nur schwer zu ertragen. Nie werde ich vergessen, wie meine Freundin Anke mit wehendem Mantel hinter Mono herflog, nachdem er einen Erdhaken samt seiner Leine aus einer Wiese gerissen hatte. Im Rahmen einer Doppelausstellung stand ich mit Mr. Clark – übrigens unter den liebevollen aber strengen Augen von Vitos Züchterin – im Ring. Ich hatte Anke gebeten, nur kurz auf Mono Acht zu geben, konnte aber nicht ahnen, welche Kräfte er entwickeln würde, wenn er zu mir wollte. Das sprach sich schnell herum und so waren nur die ganz hart Gesottenen fürderhin bereit, Mono zu beaufsichtigen.

    Mono und ich
    Mono und ich.

    Das verstand ich gut, denn er jodelte und sang lauthals, bockte, zog und war in keiner Weise bereit, eine Fremdautorität zu akzeptieren. Vielen Dank noch einmal an alle Freunde, die sich das angetan haben. Hier eine Verneigung vor Eva, Michael und natürlich Anke. Es lag nicht an euch! Mono hing so sehr an mir, dass er in seinen ersten Lebensjahren noch nicht einmal mit meinem Mann vor die Tür gehen wollte. Das legte sich mit der Zeit zum Glück, aber richtig gut wurde es nie. Seinen Hang zur Kontrolle – und das meine ich so negativ, wie es klingt – hat er bis zu seinem Ende nicht ablegen können.

    Zwei Whippets - Mono setzt Hubi klare Grenzen.
    Mono setzt Hubi klare Grenzen. Das ist einer der ganz wenigen Momente in seinem Leben, in dem er Zähne gezeigt hat.
    Herr Mono Rottenmeier immer zur Stelle

    Welpen konnte Mono mit großer Souveränität erziehen, ihnen Benimmregeln und angemessenes Verhalten gegenüber erwachsenen Hunden perfekt vermitteln. Danny musste durch seine Schule, ebenso wie Hudson und zuletzt Vito. Eine Zeit lang ließ er im wahrsten Sinne die Leine lang. Doch ab einem Alter von vier Monaten und zwei Wochen gab es für Dreistigkeit auf die Glocke. Danach konnte ich die Uhr stellen. Lautstark und energisch ging Mono dann vor, hinterließ aber niemals auch nur die kleinste Verletzung. Alle durften für ihr Leben unter einem Chef lernen, der es immer gut meinte. Dafür werde ich ihm wohl niemals genug danken können.

    Große Persönlichkeiten wie Mono lassen sich nicht verbiegen. Ich habe es erst gar nicht versucht und hatte wohl genau deshalb so ein inniges Verhältnis zu ihm. Ich wollte Mono immer so akzeptieren, wie er war. Mit allen Stärken und allen Fehlern.

    Mono, Conte del Aqua semper-crescendo beim Sighthound Festival Donaueschingen 2018, Foto: Grzegorz Gebik 2018
    Mono, Conte del Aqua semper-crescendo Vet-Winner Donaueschingen 2018 unter Richterin Pauline Oliver beim Sighthound Festival Donaueschingen 2018. Ich habe mich so sehr gefreut! Foto: Grzegorz Gebik 2018
    Das Alter ist ein Arschloch

    Nun hat das Alter Mono besiegt. Er hatte ein paar mehr oder weniger große Lipome, die lediglich kosmetisch waren, ihn aber nicht weiter störten. Als er knapp dreizehn war, habe ich ein Abdomen-Ultraschall machen lassen, um auszuschließen, dass er Tumore hat. Nichts. Ich weiß noch, wie erleichtert ich war. Hitze machte ihm zuletzt zu schaffen, doch sobald es kühler wurde, lief er manchmal wie der junge Hund, der er einmal war. Dann hat er sogar Vito angespielt, mit glänzenden aber zugegebenermaßen nicht mehr ganz so guten Augen.

    Mono has left the Building
    Jetzt sind sie wieder zusammen – Jimmy und Mono am französischen Atlantikstrand 2013

    Eine Librela-Kur gegen Arthroseschmerzen brachte ihn in den letzten Monaten ganz gut auf die Beine. Dann lief er prima, ohne zu humpeln, aber in den letzten Wochen hat auch das nicht mehr geholfen.

    Es ist hart, diesen einzigartigen Hund gehen lassen zu müssen. Vor langer Zeit habe ich ihm versprochen, ihn niemals leiden zu lassen. Ich denke, ich habe mein Versprechen gehalten.

    Lebe wohl mein lieber, sanfter, wilder Mono!

    Das Titelbild ist eines meiner liebsten Fotos, die ich jemals von Mono gemacht habe. Und es gibt sehr viele. Ihn frei und ausgelassen zu sehen, hat mich immer glücklich gemacht.

  • Kastrationschip? Nie wieder!

    Kastrationschip? Nie wieder!

    Perianaltumore. Monos Diagnose war nicht fein aber auch nicht dramatisch. Um das Wachstum dieser fiesen Dinger zu stoppen, empfahl man mir einen Kastrationschip. Doch dieser Chip hat nicht nur mich, sondern auch das komplette Rudel maximal verwirrt.

    Mono ist nun bald 13 Jahre alt. Sein ganzes Erwachsenenleben lang war er unangefochtener Chef im Rudel. Nachdem er während eines Spaziergangs zu meinem Schreck stark am After blutete, bin ich natürlich am nächsten Tag zum Doc, der Perinanaltumore diagnostizierte. Ein Kastrationschip würde zumindest das Wachstum dieser Biester stoppen, sagte er. Sechs Monate sollte der Chip halten und dann langsam seine Wirkung verlieren. Ok, dachte ich, wenn es Mono hilft, dann rein mit dem Ding. Decken wird er ohnehin nicht mehr. Seine vier Würfe gereichen ihm schließlich zu genug Ehre.

    Sechs Monate und nichts passiert. Fast nichts.

    Das Setzen des Chips ist nun fast genau sechs Monate her. Und Monos Hoden sind fast noch so knackig, wie sie immer waren. Ich erinnere mich noch lebhaft an einen Richter, der Mono vor vielen Jahren in Köln in der Bewertung hatte: „Die Hoden sind aber klein!“ Ich schaute ihn an und sagte: „Sie sind nicht klein, sondern knackig. Außerdem zählt doch der Inhalt, oder?“

    Auch Monos Verhalten hat sich seit Anfang August nicht im Geringsten verändert. Mädchenpipi? Immer her damit! Mädchen sowieso. Die Tumore zeigen sich bis heute ebenfalls recht unbeeindruckt. Nun ja, dachte ich, es dauert eben ein Weilchen. Monos Figur hingegen schwand trotz gleicher Futtermenge und gleicher Bewegung mehr und mehr. Heute ist er leicht schwammig. Ich verstehe ja, dass ein fast 13 Jahre alter Rüde nicht mehr die Muskulatur eines Dreijährigen haben kann, aber schwammig war er vor dem Kastrationschip nie.

    Kastrationschip? Nie wieder!
    So sah Mono aus bevor ihm der Kastrationschip gesetzt wurde. Drahtig und fit.

    Undichtigkeit als Folge des Kastrationschips?

    Ob er nun top fit aussieht oder nicht, ist erst einmal nebensächlich. Vielmehr beunruhigte mich recht schnell und tut es heute noch, dass Mono nicht mehr einhalten kann. Also nur für recht kurze Zeit. Seit seinem dritten Lebensmonat war er die Verlässlichkeit in Person. Nie hat er in Innenräumen gepinkelt. Niemals. Seit etwa zwei Monaten schafft er die Nacht nicht mehr. Des Öfteren finde ich nun morgens – ich stehe seit Jahren um 5:30 Uhr auf – eine Lache in der Küche, obwohl er abends um 23:00 Uhr noch einmal pinkeln geht. Hubi und Vito lasse ich dann raus. Mono bleibt gemütlich liegen. Klar, er muss ja nicht. Immerhin zieht er die Fliesen dem Holz vor.

    „Er trinkt viel. Er pinkelt viel.“ Ich schleppte Mono also wieder zum Doc, weil ich Sorge hatte, dass seine Nieren nicht richtig funktionieren. Doch das Blutbild sagt uns, dass alles verhältnismäßig gut ist. Nieren gut, Leber gut, Cholesterin etwas hoch. Tja, woran liegt es dann? Schlicht am Alter? Ich hatte nie einen Hund in diesem Alter, habe also keinen Vergleich.

    Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?

    Und jetzt wird es kompliziert. In diesen Wochen sollte die Wirkung des Chips eigentlich langsam nachlassen. Doch nun schlagen hier plötzlich alle Hormone Blasen. Ein bisher perfekt funktionierendes Rüdenrudel läuft im wahrsten Sinne aus dem Ruder. Nein, es gibt keine Kämpfe, es gibt auch keine Aggressionen. Ganz im Gegenteil, alle haben sich lieb, doch für meinen Geschmack zu lieb. Hubi lässt Mono nicht mehr aus den Augen, versucht ihn hin und wieder zu behubbeln. Noch vor ein paar Monaten hätte er das nicht gewagt. Denn Mono hätte ihn so sehr ins Achtung gestellt, dass Hubi diese Idee für immer begraben hätte. Ja, ich weiß: „Hätte, hätte Fahrradkette.“

    Kastrationschip? Nie wieder! Vito liebt Mono. Neuerdings jedoch ein bisschen zu sehr.
    Vito liebt Mono. Neuerdings jedoch ein bisschen zu sehr.

    Doch Mono tut das nicht mehr. Ohne Gegenwehr lässt er alles über sich ergehen. Sogar Vito versucht, ihn zu umgarnen, weil der Chef offenbar neuerdings so sehr nach Mädchen riecht, dass der Zwerg sich nur schwer zurückhalten kann. Ich dulde diese Zudringlichkeiten nicht, also greife ich so oft ich kann ein. Zur Not fliegen hier Schlüssel oder Holzlöffel, damit Klarheit herrscht. Und dann kommen mir fast die Tränen, weil ich mir so sehr meinen stolzen Mono zurück wünsche.

    Jetzt hilft wieder nur abwarten

    Nichts von dem, was hier passiert ist allgemeingültig. Dennoch, niemals wieder würde ich den Chef eines Rudel, das ausschließlich aus Rüden besteht einen Kastrationschip verpassen oder ihn gar endgültig kastrieren lassen. Es sei denn es wäre lebensrettend. Wir hatten eine klare Struktur, die für einen sehr harmonischen und respektvolle Umgang zwischen den Hunden gesorgt hat. Mono war immer der Chef, die anderen respektierten ihn bis in ihre letzte Faser. Heute muss ich ihn vor Zudringlichkeiten seitens Hubi und Vito schützen. Mir bleibt also in der Folge nichts anderes übrig, als die Zeit abwarten, bis dieser scheiß Chip endgültig seine Wirkung verliert. Dann wird Mono wieder der Alte sein. Hoffe ich.

  • Und wieder eine Saison vorbei! Ein kleiner Überblick.

    Und wieder eine Saison vorbei! Ein kleiner Überblick.

    Der Herbst ist da und eine Saison neigt sich dem Ende zu. Vito, Under Cover Agent High on Emotion, erfüllt nun die Bedingungen für den Deutschen Jugendchampion, wir können also gelassen dem nächsten Frühling entgegen sehen.

    Nach zwei Jahren unter Coronas Joch habe ich es tatsächlich genossen, wieder im Ausstellungsring zu stehen. Denn es tut gut, mal wieder alte Freunde persönlich zu treffen, ein bisschen zu schnacken und die Welt zurecht zu rücken. Wie man das so tut, wenn Whippetnerds zusammen auf ihren Klappstühlen sitzen.

    In dieser Saison war Vito dran

    Mono ist mit seinen zwölf Jahren endgültig raus aus der Ausstellungsszene. Hudson hingegen ist nur für spezielle Richter geeignet. Ohnehin war in diesem Jahr ausschließlich Vito dran, der im Rahmen der Shows auf der grünen Wiese Ringpraxis sammeln sollte.

    Ich muss gestehen, dass ich mir die Richter sehr genau ausgesucht habe. Einzig die Whippet Jahresausstellung ist uns ins Genick geschlagen, weil es kurzfristig einen Richterwechsel gab. Meine spontane Reaktion war, Vito zurückzuziehen. Schließlich habe ich mich breit schlagen lassen, das zu diesem Zeitpunkt gerade zehn Monate alte Streifentier doch auszustellen. War nix. Wie erwartet. Der Richter bescheinigte, dass Vito „eigentlich noch viel Entwicklungspotenzial hat“. Erstaunlich angesichts seines Alters. Später habe ich mit dem Zwerg ein ernstes Wort gesprochen: „Du hast dich verdammt nochmal schneller zu entwickeln! Kapiert?“ Was mit eigentlich gemeint ist, verstehe ich allerdings bis heute nicht.

    Grundsätzlich meine ich, – und das ist kein Nachtreten, weil ich solche Szenen schon im Rahmen anderer Shows erlebt habe – dass Aussteller insbesondere von jungen Hunden es nicht verdient haben, vom Richter einfach stehen gelassen zu werden, weil er gerade meint, sich in private Gespräche verstricken zu müssen. Von uns Ausstellern erwartet man Respekt. Ebenso sollte jeder Richter seinen Respekt vor den Ausstellern, sprich den zahlenden Gästen zeigen.

    Vito, Under Cover Agent High on Emotion
    Vito hat den ganzen Tage eine rosa Brille auf. Er ist rundherum ein hinreißend netter Whippet.

    Ein SG ist nicht das Ende der Welt. Abschütteln und weiter!

    Ein sg entmutigt mich nicht. Vor vielen Jahren kassierte Mono beim einem schwedischen Richter ein g. Ein paar Monate später war er dann Bester Rüde unter Ingela Kyrklund, die ebenfalls Schwedin ist. Und wie war das bei einer längst in Geschichte eingegangenen VDH-Jahrhundertsiegerschau in Dortmund? Der liebe Dusty, Koseilata’s Dust on the Moon – er ist für mich nach wie vor eine Schablone des Whippet Standards – wurde einen Tag zuvor aus der Championklasse verdient Europasieger. Am nächsten Tag, also bei der Jahrhundertsiegerschau, scheuchte eine Finnin ihn mit einem sg1 aus dem Ring. Dieses Mal aus der Gebrauchten. Ohne Anwartschaft. Das ist schon recht knackig. Also, man muss sich nur ein Mal schütteln und dann einfach weiter machen, als wäre nichts passiert. Gerade Ausstellungsneulinge sollten sich das auf fett auf einen Zettel schreiben.

    Bei der CAC-Ausstellungen in Gelsenkirchen im Juli 2022 erhielt Vito im Alter von 10 Monaten sein erstes Jugend-CAC von Gerard Jipping aus den Niederlanden. Video von Eva-Maria Krämer

    Ein Hattrick für Vito – drei Jugend-CACs in a row

    Vito, noch sehr wild und recht undiszipliniert im Ring, durfte ich dann bei Herrn Jipping ausstellen, den ich wirklich gut leiden kann. Jimmy, übrigens, erhielt vor vielen Jahren von ihm ein CAC. Auch der Kleene konnte sich an diesem heißen Julitag gegen seinen Konkurrenten durchsetzen und erhielt das Jugend-CAC. Die deutlich reifere Jugend-Hündin erhielt Jugend-BOB. Zack, Schleifchen! Alles gut. Und wieder in Gelsenkirchen gab Frau Dr. Bänziger aus der Schweiz ihm sein zweites Jugend-CAC. Leider ohne Konkurrenz. Der Leichtsinnige jubelt schon vorher:“Das Ding habe ich im Sack!“ Aber ich habe gelernt, dass genau dieses Setting sehr heikel sein kann, denn jeder Richter hat das Recht, gegebenenfalls eine sg-Watsche ohne Schleifchen zu vergeben. Vito bekam zum Glück sein zweites Jugend-CAC mit einem tollen Bericht. Das Jugend-BOB ging erneut an die Hündin, die tatsächlich lief wie auf Schienen, während Vito hüpfte, weil er eigentlich nur spielen wollte. Trotzdem prima!

    Die Schleife von der Herbstsieger Ausstellung im Rahmen der Dogs & Fun 2022 in Dortmund
    Schleifen
    Dogs & Fun – Der Abschluss unserer Saison in der Halle

    Die Bundessiegerausstellung im Rahmen der Dogs & Fun haben wir uns ge- bzw. erspart, aber die Herbstsieger am nächsten Tag, so dachte ich, könnten wir gut mal machen. Dortmund ist fast um die Ecke, der zeitliche Aufwand hielte sich also in Grenzen. Wie es der Teufel mal wieder wollte, verkündete der VDH kurz nach Meldeschluss einen Richterwechsel, da Frau Schwerm-Hahne mit den anderen Windhundrassen schon genug zu tun haben würde. Eingesprungen ist die Schwedin Anette Edlander, die wie ich hörte schon am Freitag bei den Windspielen die komplette Klaviatur der Wertnoten gespielt hatte.

    Grundsätzlich finde ich das gar nicht schlecht, also habe ich Vito völlig locker und ohne große Erwartungen in den Ring gestellt. Meistens ist das die beste Einstellung. Und siehe da, der Zwerg konnte unter der sehr freundlichen Dame seine Klasse gewinnen. Wunderbar. Wir haben unser Jahresziel erreicht und Vito darf sich noch das Sahnehäubchen Herbst-Jugendsieger 2022 aufsetzen.

    Under Cover Agent High on Emotion in der Jugendklasse unter der Richterin Frau Anette Edlander bei der Herbstsieger-Schau in Dortmund am 15.10.2022. Foto: Nicole Winkelbach

    Ich bin sicher, dass viele Aussteller mit ihren Ergebnissen nicht besonders zufrieden sind. Wie in einem Sommergewitter hagelte es nicht nur bei den Whippets sgs und gs. Die komplette Offene Klasse der Rüden zum Beispiel musste mit sg 1, 2 und 3 gehen. Für deutsche Aussteller ist das natürlich gelinde gesagt ungewohnt. Aber insgesamt gab es besonders bei den Rüden sehr krasse Größen- und Qualitätsunterschiede. Wie sonst hätte die Richterin faire Urteile fällen können? Das muss man sich tatsächlich immer wieder fragen, bevor man einen Wutanfall bekommt. Kröte schlucken, weitermachen!

    Nach dieser Saison 2022 darf das Streifentier aka Vito aka Under Cover Agent High on Emotion jetzt auf die sprichwörtliche Weide. Herbst und Winter wird er mit Spielen, Flitzen, Fressen, Schlafen und körperlichem Reifen verbringen. Mal sehen, was der nächste Frühling bringt.

    edit: Bin ich mit meinem Hund im Ring, kann ich selbstredend keine Fotos machen. Deshalb danke ich hier noch einmal Freunden und Begleitern, die Vitos Saison so nett dokumentiert haben. Danke Nele Ellerich, Eva-Maria Krämer und Nicole Winkelbach.

  • Pasta mit gerolltem Mops

    Pasta mit gerolltem Mops

    Pasta mit gerolltem Mops hatten wir nicht bestellt. Aber sie kam trotzdem. Mit großem Getöse und vielen entsetzten Gesichtern. Pizzastücke platschten zurück auf ihre Teller, Oliven kullerten, Prosecco hörte vor Schreck auf zu perlen.

    Unsere Straße ist eine Sackgasse. Autos dürfen nicht durch, Fußgänger schon. Am Ende, also dort, wo für Autos Schluss ist, residiert unser Lieblingsitaliener. Seitdem ich vierzehn Jahre alt war betreibt Mauro dort sein Restaurant. Wir kennen uns und haben seit vielen Jahren ein sehr herzliches Verhältnis.

    Verschärfte Prügelstrafe für Majestätsbeleidigung

    An einem sonnigen und warmen Abend kam ich mit den Hunden aus unserem Park zurück. Gehe ich mit ihnen durch die Tischreihen, nehme ich alle selbstverständlich ganz kurz. Zu groß wäre für sie die Versuchung, hier und da nach einer Pizza zu schnüffeln. Der Außenbereich des Restaurants war rappelvoll. Die Jungs gingen sehr artig neben mir. Hach, dachte ich, gegen Mauros Fischsuppe hätte ich jetzt rein gar nichts einzuwenden. Doch genau in dieser Sekunde hörte ich dieses entsetzliche Sirren einer Flexileine. Mein Appetit verging mir schlagartig.

    Symbolbild - natürlich konnte ich in dieser Situation keine Fotos machen
    Symbolbild – Natürlich konnte ich in dieser Situation keine Fotos machen.

    Im selben Moment nämlich schoss ein schwarzer Mops unter einem der Tische hervor und rammte Mono. Dieser kleine Irre rannte tatsächlich wie ein Bulldozer in Monos Flanke. Monos Blick sprach Bände: Majestätsbeleidigung ersten Grades! Darauf steht nicht weniger als die verschärfte Prügelstrafe. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, lag der Mops auf dem Kreuz. Mono brüllte so angsteinflößend, dass sämtlich Gäste ihre Gabeln fallen ließen. Starre Blicke trafen mich. Einer Frau stand ihr Mund so weit offen, als wollte man ihr gerade einen Weisheitszahn ziehen. Der Mops schrie wie am Spieß, Hudson kläffte ohrenbetäubend und Vito zog wie ein Berserker an seiner Leine, weil er auch spielen wollte. Für diese Show hätte ich von jedem Gast fünf Euro Eintritt nehmen können.

    Mono, spuck den Mops aus!

    „Mein armer Bobby! Er beißt meinen armen Bobby tot!“ Ich dachte, die Frau reißt ihren Tisch um. Schließlich musste sie locker fünf Meter der Flexileine irgendwie zwischen den Füßen ihrer drei Begleiter durchtüddeln. Inzwischen hatte Bobby aufgehört zu zappeln. Ergeben und schwer röchelnd lag er auf dem Asphalt. „Mono, spuck den Mops aus!“ Mono spuckte den Mops aus, ließ aber seine Augen nicht von ihm, nur für den Fall, dass er eine zweite Packung nötig hätte. Bobby-Mama stolpert auf mich zu und brüllte:“Ihr Hund hat meinen Bobby gebissen!“ „Nein hat er nicht! Schauen sie sich ihren Mops an und sie werden sehen, dass er keinen Kratzer hat. Zumindest nicht in der Pelle. Im Ego ganz sicher.“ Ich musste grinsen.

    Pasta mit gerolltem Mops - Mono ist der Chef und duldet keine Majestätsbeleidigung
    Der Chef! Mono ist ein sehr sanftmütiger Whippet. Majestätsbeleidigung seitens einer größenwahnsinnigen Plattnase duldet er allerdings nicht.

    Die restlichen Gäste fingen sich langsam wieder. Einige lachten, andere tuschelten und nippten wieder an ihren Proseccos, beobachteten allerdings die noch leicht siedende Szenerie weiterhin sehr genau. Das war Augenblick der Hundekenner. Hinter meinem Rücken hörte ich sowas wie:“ … und ich dachte, Windhunde wären so sanft.“ Ja, denkt das bloß alle…!

    Hausgemachter Größenwahn – heute extra groß

    Bobby-Mama war nach wie vor hysterisch:“Bobby, komm her!“ Genau vor Monos Nase hob sie ihren Mops auf den Arm und untersuchte ihn ausgiebig. Wie kann sie es wagen! Mono kochte. Das konnte ich aus den drei Falten zwischen seinen Augen lesen. „Hören sie. Ich kenne diesen Rüden seit 12 Jahren. Er käme nie auf die Idee, ihren Bobby zu beißen. Er hat ihn lediglich gemaßregelt, weil er so irre war, ihn zu rammen. Und, überlegen sie mal, ob das der richtige Ort ist, an dem sie ihren Bobby an einer Flexileine hohl drehen lassen sollten. Sie können froh sein, dass ihr Tisch noch steht.“

    Sie verzog sich schließlich kleinlaut, schimpfte an ihrem Tisch aber weiter wie ein Rohrspatz. Bobby saß nun auf ihrem Schoß. Und weil Bobby so tapfer war, reichte Bobby-Mama ihm ein großes Stück von ihrem Pizzarand. „So ein böser Hund! Armer Bobby!“ Na dann Prost!

    edit: Ich muss zugeben, dass mir an dieser Stelle ein paar Monate zuvor eine exakt umgekehrte Situation widerfuhr. Wir gingen ebenso gemütlich wie oben beschrieben, als Mono plötzlich anfing zu kläffen, als stünde sein Leben auf dem Spiel. Hudson wird grundsätzlich mit laut, selbst wenn er nicht weiß, worum es geht. Im Schatten unter einem Baum saß ein Schäferhund, den ich partout nicht gesehen hatte. Er saß dort ohne Leine. Perfekt im Kommando. Sein Besitzer grinste mich nur an und schüttelte mit dem Kopf. Ich brachte die Jungs zur Ruhe, entschuldigte mich artig und verzog mich so schnell ich konnte. Nobody is perfect!

  • Happy Birthday Vito!

    Happy Birthday Vito!

    Happy Birthday Vito! Under Cover Agent High on Emotion, feiert heute seinen ersten Geburtstag. Das ist ein perfekter Anlass für eine kurzen Rückblick auf knapp zehn Monate mit einem seidigen Kleinkriminellen, der uns jeden Tag das Leben ein bisschen schöner, lustiger und liebevoller macht.

    Was für ein feiner, kleiner Kerl er ist! Mit genau einem Jahr ist er – grob mit dem Zollstock geschätzt – knapp unter fünfzig Zentimeter groß. Es ist also zu erwarten, dass er ebenso wie damals Mr.Clark, im Gardemaß bleibt. Doch viel wichtiger ist, dass er ein extrem freundlicher, verspielter, sehr intelligenter und anhänglicher Rüde ist, der Mensch wie Hund ohne Scheu und mit offener Neugier begegnet.

    Happy Birthday Vito! Nach Mono ist Vito "Mister Perfect Ears der Zweite" - er bügelt seine Öhrchen jeden Morgen nach dem Aufstehen
    Nach Mono ist Vito „Mister Perfect Ears der Zweite“ – Er bügelt seine Öhrchen jeden Morgen nach dem Aufstehen

    Vito lernt schnell: Chef erkannt, Gefahr gebannt!

    Als Vito im November letzten Jahres zu uns kam, lernte er schnell, dass man Mono nicht anrempelt, den Chef also zu respektieren und auch nicht über ihn drüber zu latschen hat. Hudson hingegen war von der ersten Sekunde an sein Kumpel. Ich war so froh, dass Hudson einerseits endlich einen Spielkameraden und Vito andererseits unsere amerikanische Schrankwand zum Balgen hatte. Die beiden sind nach wie vor richtig dicke. Sie toben, kuscheln, pflegen sich. Der eine will nicht ohne den anderen sein. Und Mono ist froh, dass er nur eingreifen muss, wenn es ihm zu bunt wird.

    Happy Birthday Vito!
    Flitzen kann er! Das Foto ist von gestern.

    Die Schredderphase ist überwunden

    Seine Schredderphase hatte Vito recht schnell überwunden. Besitzer von jungen Whippets werden sie kennen. Ich kannte sie nicht. Weder Mono noch Hudson hätten es jemals gewagt, etwas zu klauen. Vito musste das erst lernen. Und das schmerzhaft in einem Fall, als er gemütlich einen Tablettenblister zernagt hatte. Niemand von uns wusste genau, ob letzterer schon leer war. Deshalb ging es – an einem Sonntag natürlich – mit Blaulicht in die Klinik. Nach der obligatorischen Kotzspritze war der Kleine so durch den Wind, dass ihn dieser Zustand wohl nachhaltig geprägt hat. Seitdem fragt er nach, ob etwas haben darf. Sein Pelzkissen – das früher mal mein Pelzkissen war – ist ihm allerdings heilig. Es hat nahtlos meine Strickjacke abgelöst.

    Happy Birthday Vito!
    Vito und Hudson beim Maulfechten – Sie sind so süß miteinander.

    Körperlich wie geistig macht er sich richtig gut und ich bin sicher, dass er sich toll entwickeln wird. Die Anlagen hat er auf jeden Fall. Er ist enorm flink und wendig. Dennoch musste auch er lernen, wo des Whippets physikalischen Grenzen sind. Ein Sturz auf einem Schotterweg bescherte mir Schnappatmung und ihm einige heftige Schürfwunden. Zum Glück weiß er jetzt, besser früh als spät, wann seine Bodenhaftung abreißt.

    Vito, nochmals Happy Birthday!

    Ich denke das klang schon durch: Wir freuen uns jeden Tag, dass Vito bei uns ist. Herzlichen Glückwunsch an alle Wurfgeschwister und vielen Dank an seine Züchterin Frau Ingrid Krah-Heiermann, dass sie uns dieses Schätzchen anvertraut hat. Die Tassen hoch auf die nächsten mindestens vierzehn Jahre!

    Ganz entspannt auf dem Sofa. Im Alter von zwölf Monaten ist Vito der typische junge Whippet.
    Ganz entspannt auf dem Sofa. Im Alter von zwölf Monaten ist Vito der typische junge Whippet.
  • Hier werdet ihr geholfen!

    Hier werdet ihr geholfen!

    Hier werdet ihr geholfen! Und zwar richtig. Google wird unnötig. Facebook-Gruppen ebenfalls. Trainer sowieso. Die Grundlagen der Hundeerziehung und eine virtuose Leichtigkeit im Bespielen der Social Media Kanäle gibt es noch oben drauf. Das ist doch was, oder?

    Fotos dieser Güte!

    Wollt ihr erfolgreiche Influencer sein, müsst ihr ein paar eiserne Regeln beachten: Zerlegt euer Hund eines seiner Bettchen, dann haltet ihn unter keinen Umständen davon ab. Zückt euer Handy und macht erst einmal ein schickes Filmchen und ein paar Fotos für die Nachwelt, sprich für Instagram und Facebook. Die Lacher eurer Communities sind deutlich mehr wert als so ein blödes Hundebett. Außerdem freut sich die Industrie, wenn ihr losrennen müsst, um Ersatz zu kaufen. Macht sich euer Hund dann abermals über seinen nagelneuen Schlafplatz her, könnt ihr immer noch Du, du! sagen. Oder gleich einen neuen Film drehen.

    Geben ist etwas anderes als Nehmen.

    Rindfleisch adé

    Erwischt ihr euren Hund hoch oben auf dem Esstisch, dann ist das immer ein super Gag. Steckt er seine verfressene Rübe zudem noch in die Schüssel mit dem dampfenden Gulasch, um so besser. Ein Foto dieser Güte wird sicherlich hundertfach geteilt. Was wollt ihr mehr? Also Kamera drauf und Fotos schießen, was das Zeug hält. Und vergesst nicht, euch dabei schickelig zu lachen. Lachen ist ansteckend. Die 35,- Euro für das gute Rindfleisch sind die Aufmerksamkeit auf euren Kanälen allemal wert. Und euer Metzger wird begeistert sein.

    Radfahrer jagen ist ’ne geile Sache

    Jagt euer missratener Terrier einen Radfahrer, dann ist das ein Zweimillionen-Jackpot. Ruft ihn bloß nicht zurück. Lasst ihn machen, denn eine solch goldene Gelegenheit bietet sich euch erst dann wieder, wenn der nächste Radler um die Ecke kommt. Und wer weiß schon, wann das sein wird. Also, filmen, filmen, filmen und inständig hoffen, dass eure Jagdsau sich zumindest in einem Hosenbein verbeißt. Naht ein Brombeerbusch oder eine dornige Hecke in die der Gejagte stürzen könnte, draufhalten. Euer Terrier ist hart im Nehmen. Dem passiert schon nicht.

    Hier werdet ihr geholfen - Radfahrer jagen ist eine tolle Sache
    Radfahrer jagen ist eine tolle Sache

    Macht euer Akku schlapp, wartet unbedingt auf die nächste Gelegenheit. Beschwerden der Radfahrer tut ihr einfach mit Das macht der sonst nie! ab. Der Spruch passt immer und ist jedem geläufig. Der braucht doch auch mal Auslauf ! kommt selten gut an. Verkneift euch das also besser. Aber, ein solches Video wird garantiert auf jedem Portal ein Renner im wahrsten Sinne. Vielleicht schafft ihr es ja sogar bis in die Panorama-Rubrik vom Stern. Dem Radfahrer könntet ihr ausgleichend ein Monatsabbo für einen Euro schenken.

    Kurz auf die Kö gekotzt

    Kotzt euer Schatzi sein Frühstück mitten auf die – je nach Größe des Schatzis kann das unangenehm bis äußerst peinlich sein – dann bemüht euch nicht. Am nächsten Morgen kommt sowieso die Putztruppe mit ihren Wägelchen und den großen Bürsten. Bis dahin haben die flanierenden Damen ihre Manolo Blahniks auch wieder sauber. Seid auf jeden Fall konsterniert, schaut verzweifelt umher und macht schnell ein paar Bilder. Schließlich werden eure Facebook-Gruppen quasi in Echtzeit euer Problem analysieren und euch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

    Dior in Düsseldorf - die Canon EOS 5D Mark IV hier mit dem Canon EF 85mm 1:1,2L II USM,
    Dior auf der Kö in Düsseldorf

    Hilfe mein Schatzi hat gekotzt! Woran liegt das? Was muss ich jetzt tun? Während ihr im Garten des nächsten Cafés einen Hugo schlürft, werden eure Tischnachbarn unter den tausenden Pings einen Hörsturz erleiden. Aber was tut man nicht alles für seinen Schatzi.

    Hier werdet ihr geholfen – Wenn der Husky das Baby verbuddelt

    Habt ihr einen Arschlochhund, dann lasst ihn unbedingt ein Arschloch bleiben. Benimmt er sich schlecht, ja dann unterstützt ihn, sagt ihm, wie toll er ist. Er ist halt anders. Spezialbegabt sozusagen. Denn ein winziger Pomeranian zum Beispiel, der wie ein Berserker einen leeren Futternapf verteidigt und im Vorbeigehen mal kurz die Hand beißt, die ihn füttert, ist doch voll lustig. Also, macht Videos und lacht euch schlapp. Lacht euch schlapp, wenn ein Irischer Wolfshund eine komplette Wohnung schrottet oder ein Husky versucht, das neu angekommene Baby der Familie mal kurz als Vorrat für schlechte Zeiten im Garten zu verbuddeln. Ne wie süß! Er liebt das Baby so sehr!

    Hier werdet ihr geholfen - Symbolisch hier ein sehr altes Foto von Mr.Clark
    Symbolisch hier ein sehr altes Foto von Mr.Clark

    Also, immer schön die Akkus laden! Facebook, Instagram und TikTok (auf der letzten Plattform kenne ich mich nun gar nicht aus) werden euch ganz sicher mit tausenden von Likes und Smileys belohnen. Was wollt ihr mehr? Katastrophen, die schon passiert sind? Tot langweilig! Ich hatte davon schon einige mehr oder weniger große, konnte aber in vielen Jahren mit Whippets nur selten den Vorgang an sich dokumentieren, sondern lediglich die Resultate. Siehe Titelbild. Leider habe ich tief geschlafen, als Vito sich in der Nacht durch mein Beet fast bis nach Australien grub. Ich gestehe also, ich muss an mir arbeiten.

    (Hier werdet ihr oder werden Sie geholfen ist eine Redewendung, die im Ruhrgebiet nicht selten zu hören ist. Nur für die, die gerade etwas verwirrt sind ob der kruden Grammatik.)

  • Bobby-James und der Monaco Franze

    Bobby-James und der Monaco Franze

    Warum tue ich mir das an? Ganz ähnlich wie meine Whippets sind auch meine Rosen recht anspruchsvolle Mitbewohner. Sonne, Halbschatten. Regen ist doof, Trockenheit aber auch. Der schöne Monaco Franze ist zum Glück recht robust. Das gilt aber nicht unbedingt für alle seine Verwandten.

    Ramblerrose Bobby-James
    Ramblerrose Bobby-James

    Bobby-James ist älter als die Waltons

    Bobby-James könnte auch der jüngste Bruder der Waltons sein. „Gute Nacht Jim-Bob, gute Nacht John-Boy, gute Nacht Bobby-James!“ Ist er aber nicht, denn er ist weit älter als die legendären Seriengeschwister. Denn die recht schnell wachsende Ramblerrose erhielt schon 1960 in der südenglischen Sunningdale Nurserie ihren Namen. Warum genau, wird nicht klar. Leider, denn in der Regel stecken hinter den Namen schöner Rosen auch schöne Geschichten, wichtige Anlässe oder wahlweise blaues Blut. Unser Monaco Franze, Jubilée du Prince de Monaco, zum Beispiel ist eine Züchtung von Meilland zum 50. Regierungsjubiläum von Fürst Rainer von Monaco im Jahr 2000.

    Ramblerrose Ghislaine de Féligonde
    Ghislaine de Féligonde

    Ob Heldin oder nicht, Ghislaine betört den ganzen Sommer

    Eine kolportierte Geschichte des Namens der wunderschönen Ghislaine de Féligonde hingegen ist wohl eher eine Fabel. Angeblich, so erzählte man sich lange, soll sie nach einer heldenhaften französischen Dame benannt sein, die im ersten Weltkrieg ihren verletzten Mann von der Frontlinie gerettet hatte. Den Experten deutlich plausibler ist jedoch, dass Ghislaines Züchter Eugène Turbat diese Rose schlicht nach der kleinen Tochter eines befreundeten Paares benannte. Mir ist es egal, denn ihr Name ist so oder so sehr poetisch. Und tatsächlich hat sie kaum Dornen. Ganz erstaunlich.

    Ramblerrose Ghislaine de Féligonde
    Ghislaine de Féligonde

    Invasion der Monsterblattläuse

    Dafür hatte sie in diesem Frühling um so mehr Besucher. So wie alle anderen Rosen auch. Eine Invasion von Monsterblattläusen fiel über meine Schützlinge her. Ich hätte diese Biester in Kilosäcke abpacken können, denn so irrsinnig viele konnte unser Meisenpäarchen seinem gierigen Nachwuchs gar nicht in seine Hälse stopfen. Letzterer wäre vermutlich ebenfalls zu monstergroßen Vögelchen mutiert, hätte nicht mehr durch das Loch seines Nistkastens gepasst und ihn irgendwann von innen gesprengt. Auch unsere drei bis fünf Marienkäfer standen auf verlorenem Posten an der Blattläusefront. Ich konnte sie förmlich rülpsen hören und ganz sicher habe ich gesehen, wie sie ihre fetten Bäuchlein rieben.

    Bobby-James und der Monaco Franze - Paul's Himalayan Musk
    Die Ramblerrose Paul’s Himalayan Musk ist innerhalb eines Sommer etwa drei Meter gewachsen. Nun blüht sie wie verrückt.

    Heute habe ich die Monsterblattläuse zum Glück im Griff. Mit wahlweise einer Dusche aus Schmierseife, einem scharfen Wasserstrahl oder schlichten Gummihandschuhen kann ich sie irgendwie in Schach halten. Nur die Rambler machen mir manchmal Sorgen. In fünf Metern Höhen habe ich einfach keine Kontrolle mehr. Zum Glück scheint Paul recht unbeeindruckt angesichts des Überfalls. Paul’s Himalyan Musk, wie er richtig heißt, blüht aktuell wie verrückt. Ebenso verrückt ist er in den letzten Monaten gewachsen.

    Der Superrambler aus dem Königreich

    Unseren Paul gibt übrigens schon seit 1916. Der britische Rosenzüchter George Paul jr. taufte ihn schlicht nach seiner Nurserie in Chesnut, Paul & Son. Mir hätte eine schönere Geschichte besser gefallen, aber manchmal sind auch die Namen der Rosen ganz profan und simple. (Es lohnt sich übrigens sich durch Umberto Eccos „Der Name der Rose“ zu ackern. Aber das ist ein anderes Thema.)

    Bobby-James und der Monaco Franze - Strauchrose Augusta Luise
    Die Edelrose Augusta Luise hat riesige gefüllte Blüten und duftet ganz wunderbar.

    Dafür ist die wie ich finde atemberaubende Augusta Luise mit einer um so schickeren Geschichte gesegnet. Und sie duftet ganz wunderbar nach Pfirsichen. To make a long story short: Züchter Mathias Tantau jun., 1999, zum 250 Geburtstag Goethes seinem allerliebstem Gustchen gewidmet. Der Rest liest sich sehr flott bei Wikipedia nach.

    Es ist wie immer: Einfach ist langweilig!

    Um zu meiner Eingangsfrage zurückzukommen, warum tue ich mir Rosen an? Die meisten – außer der Monaco Franze – sind zickig und pieksen ganz übel, erwarten aber im Gegenzug zu ihrer manchmal recht abweisenden Art eine Dauerbetreuung. Echter oder falscher Mehltau? Zu Hülf! Sternrußtau? Bitte, bitte tu doch was! Zu viel Wasser, zu wenig Wasser, zu viel Regen, zu wenig Regen. Sie müssen gepampert und regelmäßig beschnitten werden, sonst mutieren sie schnell zu spidderigen Unansehnlichkeiten. Vielleicht mag ich sie gerade weil sie eben nicht klaglos vor sich hin wachsen. Ich mag sie, weil sie so anspruchsvoll sind. Das wird es sein. Man sagt ja gerne, jeder bekommt das, was er verdient. Ich habe Whippets und Rosen. Zusammen reichen sie eigentlich für zwei Leben.

    Für den Fall, dass meine Fotos den geneigten Leser irritieren: Ich habe mit der Canon EOS 5Ds R und dem Canon EF 50mm 1:1,2L USM Mehrfachbelichtungen gemacht. Mal drei, mal vier Fotos, die die Kamera automatisch zu einem Bild zusammenfügt. Eine Freundin brachte mich darauf. Danke noch einmal!

    Ramblerrose Veilchenblau
    Ramblerrose Veilchenblau